
Tamara
Ich würde mir wünschen, dass es irgendwo in den Köpfen der Leute nicht nur die östlichen Erweiterungsstaaten sind, sondern dass vielleicht auch Interesse für die Kultur und Sprache entsteht. Dass zum Beispiel die Hemmungen fallen, nach Polen zu fahren, dass Leute nicht immer denken, dass ihr Auto dort geklaut wird. Das sind halt so die Bilder. Neulich kam ein Freund von mir zurück aus Polen und war verwundert, dass er eine gute Pizzeria gefunden hat oder Fast-food Ketten.
Wenn ich nach Polen zu Besuch fahre, dann bin ich eher deutsch für sie. Ich werd’ oft gefragt nach den Verhältnissen hier, wie Schule oder Arbeit oder auch nach dem Bild, was Deutsche von Polen haben. Die fragen oft, wie das aufgenommen wird mit der EU-Erweiterung, ob man dem eher kritisch gegenüber steht oder ob Menschen dem gegenüber offen sind oder ob sie Vorurteile haben, dass die Leute da ärmer sind, dass die Leute in einfachen Verhältnissen leben. Wenn Reportagen über Polen gemacht werden, dann zeigen sie oft ’ne Oma ohne Zähne auf dem Land oder Bauern. Und dann freu ich mich immer, wenn sie über die Clubszene von Krakau oder über MTV-Moderatoren in Warschau berichten.
Einerseits würde ich gerne für kurze Zeit in Polen leben wollen, um das Alltagsleben dort, was ich nur aus den Ferien kenne, besser kennenzulernen. Andererseits hätte ich Angst, dort fremd zu bleiben.
