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Bei Sevgi Yücel herrscht grosse Aufregung in der Wohnung. Lange hat sich Frau Yücel auf das Beschneidungsfest vorbereitet. |
In einigen Ländern, in denen vorwiegend Muslime leben, ist die Beschneidung von Mädchen üblich, wie zum Beispiel in Teilen Afrikas, Indonesiens, Malaysiens und in einigen arabischen Ländern. Immer mehr Menschen protestieren dagegen. In Deutschland und in den meisten westlichen Industrieländern ist die Beschneidung von Mädchen gesetzlich verboten.
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Frau Yildiz, eine türkische Geschäftsinhaberin in Berlin berichtet:
Hier in Deutschland wollen alle Türken ein schönes Beschneidungsfest und wir verkaufen die Garderobe dafür. Für die Jungs gibt es jetzt zum Beispiel das Sultansgewand oder einen Frack oder einen feinen Anzug. Das Beschneidungskostüm ändert sich alle Jahre mal wieder. Vor zwanzig Jahren hatten die Jungs so eine Art Admiralsuniform an, auch mit so einer passenden Militärmütze. Das gibt es jetzt gar nicht mehr. Wichtig ist in jedem Fall – und das ändert sich nicht – die Schärpe und der Stab. Bei dem Sultanskostüm gehören die entsprechende Mütze und die Pascha-Latschen dazu. Früher auf dem Land in der Türkei, da kam der Spezialist für die Beschneidung in die Dörfer. Irgendwann. Die Leute wussten nicht genau, wann. Der hat dann ausgerufen: „Beschneidung!“ Da haben die Leute die Jungs im beschneidungsfähigen Alter – das sollte gemacht werden, bevor die zehn sind – einfach vor die Tür gestellt. Der Spezialist hat sie eingesammelt und schnipp-schnapp gemacht. Das war gut so. Weil die Leute arm waren. Aber natürlich hätten sie ein Fest machen müssen. Und so ging das nicht, die Jungs waren beschnitten. So en Beschneidungsfest kostet die Leute heute so ca. 7000 bis 8000 Euro. Das kommt dann so ungefähr durch die Geldspenden der Gäste rein. Manche Türken wollen die Feste jetzt lieber klein, aber fein feiern. Das ist vielleicht ein deutscher Einfluss.
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Fr. Yücel konnte ihre Hochzeit vor 23 Jahren nicht so feiern, wie es unter Türken üblich ist. Ihre Mutter war gegen die Heirat und so musste sie es heimlich tun.
Deshalb hat sie sich in Istanbul für Bertus Beschneidungsfest ein weißes Kleid schneidern lassen.
Sie hat so viele Leute eingeladen, dass sie einen großen Saal mieten muss.
Ihre Tochter Ferda wird dann vor 700 Menschen einen Bauchtanz aufführen.

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Was ist die Beschneidung? Zum Beschneiden kommt der ‚Beschneider’. In der Türkei gibt es heute in fast jeder großen türkischen Stadt medizinische Schulen, wo die „Sünnetci“ ausgebildet werden. Früher übernahmen oft Friseure, die ein scharfes Rasiermesser besaßen, diese Aufgabe. Da gab es oft Verletzungen. Im türkischen Volksmund heisst es: |
| Warum ich nicht für immer in die Türkei zurückgehe? Das ist eine schwierige Frage. Ich bin ja hier in Berlin groß geworden. Es ist auch mein Zuhause. Natürlich mach ich mir Gedanken, ob ich eines Tages rüber gehen soll. Aber nicht für immer. Ein paar Monate in der Türkei, ein paar Monate in Berlin – das wäre mir am liebsten. . |
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| Wenn ich wieder nach Berlin fahre, bringe ich einen Koffer voller schöner Sachen mit. Viele Anziehsachen für mich oder meine Kinder. Das ist alles viel billiger in der Türkei und sieht irgendwie besser aus, finde ich. . |
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| Natürlich mache ich auch gerne Ferien in der Türkei. Dann fahren wir in andere Städte. . |
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| In diese Moschee wollte ich schon mein Leben lang, irgend etwas passte immer nicht, erst vor zwei Jahren hat es geklappt. Die alte Moschee ist ein Schmuckstück für Trabzon, sie sieht so schön aus, so weiß vor den grünen Bergen. . |
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| Das ist das Grab meiner Oma. Bei uns darf man sich auf dem eigenen Grundstück begraben lassen. Natürlich nur, wenn man auf dem Land wohnt. | ![]() |
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| Hier ein anderer Onkel und sein Vater. Sie sind Makler, es geht ihnen finanziell sehr gut. . | ![]() |
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| Ein guter Freund von mir, Güney, den kenne ich von klein auf, heute ist er Arzt. Wenn ich nach Trabzon fliege, leiht er mir immer sein Auto oder wir fahren zusammen ins Dorf. Wenn er mitkommt, wollen natürlich alle von ihm den Blutdruck gemessen bekommen. . |
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| In der Türkei habe ich auch viele Freunde. Hier sind wir auf einer Hochzeit eingeladen. . |
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| Hier habe ich mir Strümpfe ausgeliehen, weil es schon kühl wurde in Trabzon. Es muss in dem Herbst gewesen sein, als meine Oma gestorben war. |
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| Hier besuche ich meine Tante. Ich habe sie immer sehr, sehr gern gehabt. Aus dem Dorf bringe ich manchmal Käse mit, obwohl man das nicht darf. Ich mache das, weil sie ihn im Dorf meines Onkels selber machen. Manchmal auch Butter, so eine bekommt man hier nicht! Oder Gemüse, das ist in Trabzon so frisch und schmeckt einfach anders. Auch wenn es in Berlin alles gibt, diesen Geschmack findet man hier nicht. Vielleicht bilde ich mir das ein, vielleicht aber auch nicht. |
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| Das ist mein Onkel, den liebe ich bis heute. Er arbeitet in der Universität in der Stadt. |
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| Hier besuche ich meine Tante. Ich habe sie immer sehr, sehr gern gehabt. Aus dem Dorf bringe ich manchmal Käse mit, obwohl man das nicht darf. Ich mache das, weil sie ihn im Dorf meines Onkels selber machen. Manchmal auch Butter, so eine bekommt man hier nicht! Oder Gemüse, das ist in Trabzon so frisch und schmeckt einfach anders. Auch wenn es in Berlin alles gibt, diesen Geschmack findet man hier nicht. Vielleicht bilde ich mir das ein, vielleicht aber auch nicht. |
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| Unser Dorf ist am Rand von Trabzon, etwa 10 Minuten mit dem Auto entfernt. | ![]() |
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| Im Urlaub fliegen wir sehr gerne nach Hause. Oft kommt mein Bruder mit. Ich freue mich auf meine Familie, Oma, Opa, den Onkel. Ich hänge sehr an ihnen. Als ich klein war, hatte ich immer Sehnsucht nach drüben. Ich konnte die Ferien kaum erwarten. |
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| Meine beiden Töchter sind jetzt schon groß. Ferda hat gerade eine Ausbildung angefangen, beim Zahnarzt. In ihrer Freizeit macht sie Bauchtanz. Ich frage sie oft, ob sie bei Festen bei uns zu Hause tanzen will. |
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| Das ist der erste Schultag von Ferda in der Neumarkschule, in Schöneberg. Ich hatte die Tüte so voll gemacht, dass sie sie nicht tragen konnte. Ferda sprach bei der Einschulung deutsch, sie ist ja hier geboren und wir haben zu Hause auch nur deutsch gesprochen, damit es ihr nicht so geht wie mir als Kind. |
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| Aber schließlich habe ich doch drei Kinder bekommen. | ![]() |
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| Eigentlich wollte ich nur ein Kind haben, eine Tochter. Ich wollte auf eigenen Füßen stehen. Ich wollte nie viele Kinder, wie es in manchen türkischen Familien noch üblich ist. Mein Mann hatte ja auch wenig Zeit, er war selten zu Hause, er war immer im Verein. |
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| Meine Eltern waren gegen die Hochzeit. Da bin ich abgehauen. Wir haben heimlich geheiratet. |
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| Meine Eltern mochten ihn nicht, er war 10 Jahre älter als ich. Außerdem kam er aus Izmir. Sie wollten lieber einen Mann aus Trabzon für mich. |
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| Mit 17 habe ich meinen Mann kennengelernt, der war in der Türkei Profi-Fußballer. Eigentlich war er nur für 2 Wochen hier in Berlin, es war sein Urlaub. Er hat mir gesagt, dass ich ihm gut gefalle. Meinetwegen ist er in Berlin geblieben, obwohl es ihm in der Türkei als Fußballer wirklich gut ging. . |
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| Als junges Mädchen musste ich meinen Eltern oft helfen, mit der Sprache, zu den Ämtern gehen, einkaufen. Mein Vater hat die Sprache schnell gelernt, aber meine Mutter nicht. Sie wollte nicht. Und so bin ich für sie immer überall hingegangen. Ich musste vieles, vieles machen. Aber ich habe dadurch auch viel gelernt. |
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| Hier bin ich 14 Jahre alt. Wahrscheinlich sah ich älter aus, denn die Jungs fingen an, sich für mich zu interessieren. Aber meine Mutter war sehr streng, sie passte auf mich auf. Obwohl sie nicht so eine moderne Mutter war, wie ich heute bin, konnte ich mit ihr über alles reden. |
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| Dann kam ich zurück nach Berlin. Dort bin ich gleich in die 3. Klasse eingeschult worden. Ich kam direkt in eine türkische Klasse. Am Anfang hatte ich natürlich Schwierigkeiten und auch nicht so viel Lust zu lernen |
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| Mein Vater wollte zuerst nicht, dass ich in Deutschland in die Schule gehe. Mit acht Jahren hat er mich wieder in die Türkei geschickt, damit ich türkisch schreiben und lesen lerne. |
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| Ich fand Berlin so dunkel damals, die Häuser waren so hoch und nicht renoviert. Ich mochte Deutschland damals nicht. In Trabzon, wo ich herkam, gab es auch große Häuser. Aber hier hatte ich große Angst. |
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| Mein Vater war schon in Berlin. Er gehörte ja zur ersten Generation, die nach Deutschland gekommen war. Nach einem Jahr hat er meine Mutter und mich nach Deutschland geholt. |
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| Als ich 1969 nach Deutschland kam, war ich drei Jahre alt. Da waren damals wenig Ausländer hier, wenig Türken. |
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| Das ist eine große Stadt im Norden der Türkei, am Schwarzen Meer. | ![]() |
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| Hallo! Meine Name ist Sevgi Yücel. Ich bin in Trabzon geboren. | ![]() |
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Türkei
Die Türkei liegt auf zwei Kontinenten: nur 3% liegen in Europa, der weitaus größere Teil erstreckt sich auf asiatischem Gebiet zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. In der Türkei leben über 68 Millionen Menschen. Die meisten wohnen in den großen Städten, wie zum Beispiel Istanbul und Ankara und in den Gebieten am Meer. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind Türken. Ansonsten leben dort Kurden, Araber, Griechen, Armenier und Tscherkessen.